Tasting Juli 2008 Drucken

So, auf den "letzten Drücker"- die Kandidaten ...

 Image

wieder mal in der (geplanten - man kann ja schließlich über alles noch reden) Reihenfolge:

Benrinnes 1984 Signatory
Penderyn "Release Date Dec.'07"
Knockeen Hills Irish Poteen
Ardmore 1992 Signatory
Caol Ila  1991 Signatory
Bowmore 1995 Signatory

Als sich schließlich die "Tasterschar" komplett eingefunden hatte, entschieden wir (ohne Gegenstimmen), meine vorgesehene Reihenfolge einzuhalten. Nachdem ich den "Neuen" ein paar einführende Worte bzgl. des ungezwungenen Ablaufs - sprich: auf's "selber schmecken" und auf den Austausch der eigenen Erkenntnisse mit den anderen kommt's an, und nicht auf das was ich erzähle oder irgendwelche Whiskyfachleute mal notiert haben - begannen wir, gutgelaunt und neugierig, mit dem ersten Tastingkandidaten.

Es war der "Benrinnes 1984" - eine Einzelfassabfüllung von Signatory in der Vintage-Reihe: Refill Butt No.114 - Bottle 141 of 869 - 43%Vol. Dieser Whisky, den ich vor langer Zeit schon mal in einer Verkostung hatte (allerdings Bottle 277), spaltete wie damals auch jetzt wieder die Gemüter. Der Geruch war noch allen sehr angenehm, es wurde Vanille, Blumen im Kornfeld und auch feuchter Backstein erkannt. Aber am Gaumen teilten sich die Meinungen. Manchem war er zu schwach für einen Zwanzigjährigen, manch andere(r) empfand ihn als scharf oder heftiger als im Geruch vermutet. Aber wiederum andere empfanden ihn einfach als nur gut, rund, ausgewogen, ausgereift, würdevoll! Diesen schloss ich mich an, hatte ich doch endlich Gleichgesinnte gefunden. Im ersten Tasting mit diesem Whisky wurde ich ja leider überstimmt!

Der zweite Kandidat war (mal wieder) ein "Penderyn - Release Date Dec.'07" - nach einem "Release Date Apr.'07" im Januar und einem "Vatting Sept.'05" im Februar, die dritte Abfüllung der walisischen Destillerie, die ich probieren durfte. Und wieder keine Enttäuschung. Was der Benrinnes trennte, einte der Penderyn! Wie von dieser Brennerei inzwischen gewohnt wieder eine runde Fülle der Aromen, die keine(n) enttäuschte! Im Geruch leicht petrolisch, Getreide, Malz - am Gaumen fruchtig (Pflaume?), Armagnac und im runden, angenehmen Abgang wieder ruhig verweilend.

Als dritter und (wie sich bald herausstellte) wohlweislich als letzter "Whisky" vor dem Vesper kam ein "Knockeen Hills - Irish Poteen" in die Verkostung. Dieses Destillat darf sich nicht Whisky nennen, da es nie ein Fass gesehen hat (außer vielleicht in seiner Nachbarschaft). Es ist ein "New Make", der mit ziemlich heftigen 90%Vol. sozusagen direkt aus der Destille in Flaschen gefüllt wird. Es soll an die Zeit der Prohibition erinnern, als man dem illegal schwarzgebrannten Whisky keine Zeit zur Lagerung geben konnte. Alle waren sehr gespannt und im durchaus nicht unangenehmen Geruch wurde Karamell gefunden, Früchte und Korn - aber dann auf der Zunge ... Meine Zungespitze starb sofort ab (meinte ich zumindest) und über die Aromen am Gaumen kann ich auch keine sichere Aussage treffen - süßlich, ölig, fruchtig? Mutigere als ich (OK ein mal hab' ich's dann auch probiert) experimentierten dann mit Wasser. Mit dem Ergebnis waren sie zufrieden, wurden nicht nur durch den Farbwechsel (er wird neblig-weiß) an Pastis erinnert - und akzeptierten dieses Getränk (?), wenn schon nicht als Whisky, so doch als interessante Ergänzung für die wohlsortierte Bar.

Nicht nur ich war froh, dass wir uns nun über feste, herzhafte Nahrung hermachen und die Geschmacksknospen wieder etwas zum Leben erwecken konnten.  

Nach der Brotzeit machten wir mit dem "Ardmore" weiter - eine Signatory-Abfüllung von 1992, Un-Chillfiltered, 14 Jahre alt, 46%Vol., aus den Bourbon-Fässern No.: 4881 und 4882 und zwar die Bottle No.: 199 (of 503). Diese Abfüllung hatte ich in meinem allerersten Tasting (mit hauptsächlich amerikanisch orientierten Verkostern) im Januar 2007 - damals Flasche No.: 214. Der Speysider wurde auch heute wieder als sehr angenehm empfunden. Schon in der Nase etwas Rauch, der diesmal - m.E. sehr treffend - mit "geräuchertem Schinken" in Verbindung gebracht wurde, außerdem wurden noch sanfte, aber deutliche Zimtaromen erkannt. Am Gaumen dann kräftig, voll und gut harmonierend - Vanille, Torf, Rauch, herbe Kräuter - und der Geschmack blieb lange anhaltend im Mund.

Als Vorletzter ging ein "Caol Ila" an den Start. "Ausnahmsweise" mal ein Signatory-Abfüllung! Wie die vorangegangene Un-Chillfiltered und mit 46%Vol. - diese aber 15 Jahre alt (destilled: 15.01.1991 - bottled: 09.10.2006 - also fast 16 Jahre!) und aus dem Hogshead. Wieder ein Gerstendestillat, das allen mundete und manche sogar begeisterte! Am Besten gefiel mir die Beschreibung: "... Bouquet wie ein guter Wein" oder auch "... Herbstfeuer" und natürlich "Genial! Typisch!". Schon in der Nase leicht süßlich, Malz, Mais, Rauch, ... - am Gaumen parfümartige Rauchigkeit, harmonisch stimmige Gewürze und - war da nicht auch ein Hauch Ester? Der Abgang dann - einfach herrlich, sehr angenehm, lang und wärmend.

Die letzte Flasche (für dieses Tasting) die wir verkosteten war ein "Bowmore" - wie vielleicht bei mir zu erwarten, eine Signatory-Abfüllung. Wieder Un-Chillfiltered, 46%Vol., Hogshead und 11 Jahre alt, also noch nicht mal ein Teenager. Gebrannt am 25.05.1995 und am 14.12.2006 in die Flaschen gefüllt. Auch diese Abfüllung war schon einmal in einem meiner Tastings - dazu später noch ein paar Bemerkungen. Schon in der Nase mit mineralischen Anklängen (Schiefer?), nassem Laub, Kräutern und Blumen, explodierte er geradezu am Gaumen in ein Konglomerat an Aromen. Da waren Laub, Torf, Rauch, mineralische und medizinische Noten - und endete in einem kräftigen, lang anhaltenden, warmen Abgang.

So, das war die Verkostung an sich und wir gingen zum gemütlichen Teil des Abends über, dem "Aftertasting". Allerdings war diesmal noch eine kleine Nacharbeit zu bewältigen. Es waren nämlich drei Abfüllungen dabei, die bereits bei anderen meiner Tastings zum Einsatz gekommen waren und in diesen "alten" Flaschen waren auch noch Reste vorhanden.

Da ich die Diskussionen über das "Nachlassen" bzw. das "Besserwerden" von Whiskies, in länger geöffneten Flaschen, schon immer interessiert verfolge, hatte ich nun die Gelegenheit selbiges im direkten Vergleich auszuprobieren. Dazu noch mit Unterstützung durch andere Taster, deren Geschmacksknospen um einiges sensibler sind als meine.

Vorab sei festgehalten, dass bei allen drei Probanden farblich kein Unterschied zu erkennen ist - zwischen den eben erst aus der dunklen Metalldose an Licht gekommenen und den seit unterschiedlich langen Zeiträumen dem Tageslicht, bzw. der Ladenbeleuchtung ausgesetzten! Aber der Geruchs- und Geschmacksvergleich?

Der "Benrinnes" - 1. Flasche geöffnet im Juni 2007, danach so etwa 20 mal bei "Aftertastings" und als "Kundenversucherle" aufgemacht - kein Unterschied!

Der "Ardmore" - 1. Flasche geöffnet im Januar 2007, danach so etwa 30 mal bei "Aftertastings" und als Probe verwendet - kein Unterschied!

 Der "Bowmore" - 1. Flasche geöffnet im Januar 2007, ebenfalls so etwa 30 mal danach noch wiedergeöffnet - für meine "groben" Geschmacksnerven: kein Unterschied! ABER,  einer meiner Gegenkoster (mit sensibleren Sinnen) meinte, dass der "alte" etwas (minimal) flacher, schwächer schmecke!

Also auch kein eindeutiges Ergebnis (wie sollte das wohl auch gehen?) - aber ich glaube es braucht sich niemand sorgen dass eine Flasche Whisky, die mal längere Zeit im Schrank vergessen wird, "schlecht" oder "geschmacklos" wird.

Bei wieder äußerst angenehmer Unterhaltung und "Resteverwertung" ging der Abend leider, unerbittlich und viel zu schnell, zur Neige. Schade zwar - aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn's am Schönsten ist (nur, woher will man denn wissen, ob's nicht vielleicht doch noch schöner wird? Egal!).

Es war wieder mal nur gut und mir bleibt nur, mich nochmal herzlich bei meinen Gästen zu bedanken!