Tasting Mai 2008 Drucken

So, zum Bild mal langsam den Bericht ...

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anfangen - mal sehen wie weit ich heute komme.

Vorab sei erwähnt, dass dieses Tasting wieder eines der Besten war, bei denen ich mitmachen durfte. Durch die überschaubare Anzahl der Verkoster (wir waren "nur" zu acht) konnte sogar ich fast allen Gesprächen folgen und viele, zum Teil doch sehr unterschiedliche Meinungen zu den Whiskies aufnehmen. Und die Unterhaltung und der Spaß kamen auch nicht zu kurz - trotz der konzentrierten Arbeit! Also:

Wir begannen mit dem "Altore", von dem ich gedacht habe, dass er aus Korsika stammt. Bei genauerer Recherche stellte ich allerdings fest, dass es sich scheinbar um einen in Schottland (Highlands) gebrannten Whisky handelt, der als Rohbrand nach Korsika geschickt und dort in Eichenfässern (zuvor mit Muskatwein befüllt) zum Whisky ausgebaut wird.
Die Behauptung es wäre dem Hersteller von der EU verboten worden, "sein" Destillat Whisky zu nennen, habe ich nur ein mal gefunden - und das nicht auf offiziellen EU-Seiten - und ich glaube es auch nicht! Es ist in Schottland gebrannt und war mindestens drei Jahre im Holzfass, also müsste es m.E. auch Whisky heissen (von mir aus auch Whiskey).
In der Nase benahm er sich sehr ordentlich - fruchtig, Wein, viel Malz - aber am Gaumen enttäuschte er dann doch etwas. Die tollen Geruchsnoten fanden sich im Geschmack nicht wieder. Der war eher flach (verwässert), zwar mit leichter Frucht und etwas ölig, aber auch bitter - Bittermandel wurde oft erkannt. Die Mandeltöne fanden sich dann auch im netten, leicht wärmenden Abgang wieder. Durch Zugabe von Wasser gewinnt er zwar Einiges, ist aber eher doch ein Whisky zum "nicht groß d'rüber nachdenken"!

Dann kam der zweite Franzose an die Reihe - der Armorik, Dieser Whisky wird in der Bretagne in einem über 100 Jahre alten, eigentlich auf Calvados spezialisierten, Familienbetrieb gebrannt. Und ich hatte schon einiges Positives über ihn gelesen. Dass er überraschend komplex für sein Alter sei - aber auch etwas unrund. Wir probierten - und die Meinungen teilten sich!
Im Geruch wieder angenehme Malztöne mit Anklängen von Früchten und Blumen, kam er manchem auch etwas säuerlich vor. Am Gaumen wurde Schottisches gefunden (grasig, würzig, wieder Früchte und Blumen), doch mit einer gewissen, stechenden (bissigen) Schärfe. Aber auch sehr interessante, süßliche Sekundär- und Tertiär-Aromen (Danke Peter!) wurden entdeckt (weiße Schokolade, Mandelnougat). 
Einig war sich der Großteil aber, dass er (also der Armorik - nicht der Großteil) durch Zugabe von Wasser nicht gewinnt, aber dass 52%ige Schokolade (Golddublonen Ecuador) ausgezeichnet harmoniert. Ein gut trinkbarer, spannender Whisky, der, vielleicht durch die doch junge Abfüllung, etwas unrund und "bissig" wirkt. Der Abgang war trocken, lang anhaltend und noch mal wiederkehrend. Vor seinen schottischen Kollegen braucht sich dieser Whisky bestimmt nicht verstecken!

Jetzt wurde der erste Blend aufgemacht - der "Luxus-Premium-Blend" Antiquary 12 y.o.! Er enttäuschte unsere an ihn gestellten Erwartungen nicht. Ein traumhafter Geruch mit einer komplexen Tiefe aus Frucht, Heidekraut und Malz. Ebenso am Gaumen, altehrwürdig, gediegen - Schokolade, frische Frucht, abgerundetes Malz, subtile Rauchnoten und eine leichte Sherry-Süße. Die Grains und Malts harmonieren hervorragend. Und auch im langem, wärmenden Abgang fanden sich alle Aromen wieder. Er zeigt alles, was Schottland zu bieten hat und seine sanfte Milde braucht kein Wasser!

Nun war es an der Zeit, die Geschmacksnerven wieder auf andere Gedanken zu bringen und wir legten die obligatorische Vesperpause ein, bevor wir uns "der Insel" (Islay) zuwandten. Nicht nur ich war gespannt!

Es ging los mit dem (der?) Black Bottle 10 y.o. (dem zweiten Blend an diesem Abend) - der, wie sein "kleiner" Bruder ohne Altersangabe, ebenfalls die Malts aus allen sieben aktiven Islaydestillerien enthält (Ardbeg, Bowmore, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Lagavulin, Laphroaig - Kilchoman ist erst seit Mitte 2005 in Betrieb, die ersten Abfüllungen sind für 2010 geplant - Port Ellen wurde abgerissen, nur die Mälzerei arbeitet noch für die anderen Destillerien).
Und wie dieser, schied auch er die Geschmäcker!
Im kräftigen Geruch wieder Torf, Rauch, Teer, aber (Gottseidank) kein Lebertran - siehe "Black Bottle no age" im März 2008 Tasting. Zum Geschmack und Abgang gebe ich mal (faul wie ich bin) die Worte der Taster wieder:
(1) flach - ...irgendwie der für Islay wichtige Biss herausgenommen - man schmeckt Torf und Rauch, etwas Lagerfeuer, aber das Ganze verfliegt zu schnell - ...der Abgang hat mir komplett gefehlt!
(2) Rauch - Torf - allgemein tauglicher Islay-Verschnitt - kalt - warm - langer Abgang!
(3) ... angenehmer Abgang - ...brennt nicht!
(4) sehr klar im Aroma - zielgerichtet (ohne Umschweife)!
(5) rund - lecker!
OK, Meinung (5) war von mir - aber ich bin ja auch ein "Weich-Ei(slayer)"!

Jetzt bekam ich doch leichte Zweifel, ob es richtig ist noch zwei Unbekannte, zudem ziemlich junge und auch noch ebenfalls von der Insel stammende Whiskies aufzutischen - aber allein schon die kräftige Farbe machte die Beiden interessant und der Vorläufer der 2000er Signatory-Laphroaig-Abfüllung, der 1999er 7-jährige, war ein herrlicher Tropfen!

Also kam der 2000er 7-jährige "mal auf den Tisch", wurde entkorkt, eingeschenkt, betrachtet, geschwenkt und beschnuppert. Und hier wir waren uns wieder einig:
"Herr" Signatory hat ein goldenes Händchen bewiesen, als er sich entschloß, das "Refill butt No. 3687" einzeln, nicht kühlfiltriert und ohne Farbstoffzugabe abzufüllen!
Dunkles Bernstein glänzte im Glas, dem ein herrlicher Duft von Rauchfleisch, Malz und Frucht entströmte. Am Gaumen dann dominant das Rauchfleisch, Teer, kalte Asche, etwas Frucht, Torf - ruhiger, "gesitterter", abgeklärter und runder als sein Vorgänger. Erstaunlich für sein Alter - ebenso wie der gediegene Abgang. Mit Wasser macht er noch mehr auf - aber dazu gab's schon wieder unterschiedliche Meinungen - tja, Gschmacksach eben!

Nun war der Letzte des Abends an der Reihe, konnte er jetzt noch ein Steigerung bringen?

Der Laphhroaig 2000 6-jährig (obwohl ihm nur eine Woche zum 7-jährigem fehlt - destilliert: 06.06.2000 - abgefüllt: 29.05.2007) wurde geöffnet.

WOW ('tschuldigung, ist mir so rausgerutscht) - DER Geruch!

Nicht einfach nur Rauch, sondern ein ganzer Waldbrand - es war ein Kiefernwald der da brannte und eine gewisse Süße im Duft erzeugte. n Geschmack dann eine nie vermutete Vielfalt: Der viel erwähnte „kalte Schnee“ (wann kommt endlich mal ein Whisky, der nach warmem Schnee schmeckt?), Frucht, Marzipan, Teer, Blumigkeit, Heidekraut und das alles dann auch noch irgendwie wild durcheinander und trotzdem abgerundet. Erst im Abgang kommt eine pfeffrige Schärfe, mit Wasser auch ein Hauch von Zitrone. Der Abgang ist ewig lang.
Ist das wirklich der beste Whisky, den ich je getrunken hab. Wenn er zur Situation und Stimmung passt, sicher!
Hier habe ich mir erlaubt die Kritik eines Verkosters (fast) wortwörtlich wiederzugeben (er hat's mir aber gestattet, gell Frank) - und  hier noch einige Kommentare anderer Verkoster zu diesem Whisky:
- Kiefernholz - Wald - Pfeffer - Schnee - Teer - Rauch - Torf - eine echte Offenbarung - Hallelujah!
- der Beste des Abends!
- Perfekt!
- Doll - doll!

Muss ich da noch was hinzufügen? Vielleicht, dass es mir für alle leid tut, die die Möglichkeit der Verkostung nicht haben. Aber es ist noch was in den Flaschen - wer also schnell ist ...

Soweit mal zu unserer Arbeit - jetzt konnten wir uns dem Vergnügen hingeben (Meinungen austauschen, verfestigen, korrigieren, nachprüfen, überarbeiten, die eine oder andere Nachverkostung durchführen, Erinnerungen auffrischen, ...) und der Völlerei (es waren noch magere Reste der Halbzeit-Brotzeit übrig).

Wie schon des öfteren, ein herrlicher Nachmittag und Abend - nur diesesmal, durch die überschaubar Menschenmenge und die beiden "Spitzenwhiskies" (wobei die anderen vier nicht vergessen werden sollten - auch wenn sie etwas "untergegangen" sind), mit einem extra i-Tüpfelchen (oder auch Ausrufezeichen)!

Nochmals vielen Dank an meine Gäste/Mitverkoster - immer wieder gerne - und auf bald mal wieder!