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Johann's Gschmacksach proudly presents ... 
die Kandidaten der März-Verkostung - in der Reihenfolge ihres Einsatzes: ManX Blue - der sich seit dem 24.März 1997 nicht mehr Whiskey oder Whisky nennen darf (da er nach seiner Destillation nicht mindestens drei Jahre in einem Fass gelagert wurde - Entscheidung des "British High Court"), der aber aus verschiedenen, mindestens zwölfjährigen, schottischen Whiskies redestilliert wird. Also doch ein Whisky, allerdings ein "aufgekochter". Lt. dem Hersteller (Kella Destillers Ltd., Sulby, Isle of Man) werden durch diese Redestillation dem Whisky bestimmte Stoffe entzogen, wodurch der "Spirit" an Intensivität und Aromen gewinnen würde! Ausserdem wird die (bis 1997 "ManX Whiskey" genannte) Spirituose dadurch wieder glasklar, zum (inzwischen ebenfalls untersagten) "Natural White Whiskey". Glen Elgin 1996 - eine Signatory Vintage-Abfüllung der "Un-Chillfiltered"-Reihe. Ein Whisky der nur in fabrikneuen Eichenfässern (also ohne "Vorbefüllung", z.B. mit Bourbon oder Sherry) über 10 Jahre gereift ist. Monkey Shoulder - der Blend der ein Vatting ist, da nur Malt-Whiskies Verwendung finden. Die Malts stammen aus genau 27 Fässern der Destillerien Balvenie, Glenfiddich und Kininvie (alle drei im Familienbesitz der William Grant and Sons Ltd.). Der Name erinnert an eine Schultererkrankung, die sich die Destillerie-Arbeiter früher beim ständigen umschaufeln der Gerste beim Mälzen zugezogen haben. Black Bush - der Blend aus Irlands ältester noch produzierender Destillerie (bzw. der ältesten, noch produzierenden lizensierten Destillerie Europas!) besteht zum größten Teil aus Malt-Whiskey (75%). Der Rest ist bester irischer Grain-Whiskey. Inishowen - der derzeit (angeblich) einzige getorfte irische Blend wird im nörlichsten Zipfel Irlands, auf der gleichnamigen Halbinsel hergestellt. Eigentlich kein typischer irischer Whiskey! Black Bottle - der Blend, den der schottische Teehändler Graham Gordon 1879 eigentlich nur für sich, seine guten Freunde und geschätzte Kunden kreiert hatte. Die ersten Flaschen wurden aus schwarzem, in Deutschland produziertem Glas in Brennkolbenform angefertigt. Als durch den Ausbruch des 1. Weltkireges der Nachschub ausfiel wurde auf dunkles, smaragdgrünes Glas aus Schottland (Stirlingshire) umgestellt. Die Optik wurde 2006 zwar etwas "modernisiert", aber der Inhalt ist immer noch der Blend aus Whiskies aller sieben (produzierenden) Islay-Destillerien. Bericht zum Tasting an sich:
So, dann will ich mal anfangen. Nachdem gerade wieder eine Lieferung gekommen ist, die ich unter "großen Mühen" aufgearbitet und eingeräumt habe, will ich jetzt ein bissel nur am Schreibtisch sitzen und fabulieren - und mich ein wenig an dieses tolle Tasting erinnern. Also: Am späten Nachmittag des 29. März haben wir uns zu sechzehnt zusammengefunden um es einmal mit "Vatted" und "Blend" (und "redestilliert"!) aufzunehmen. Nicht nur Anhänger/Innen der Whiskyfraktion (bzw. der Single Malts), sondern auch Solche exotischer Spirituosen (wie z.B. Grappa) waren versammelt - und vertrugen sich ausgezeichnet! Wir fingen also mit dem "ManX Blue" an - Kurzbeschreibungen bei allen Whiskies siehe oben, hier kommen jetzt die persönlichen Eindrücke - dem"Natural White Whiskey". Und es geht ja "schon" wieder weiter: Dieses Destillat lief ja, mehr oder weniger, außer Konkurrenz. Mit der Nase wurde noch Whisky erkannt. Fruchtiger, klarer, malzig-süßer Geruch - aber es wurde auch etwas "scharf-giftiges" gerochen. Im Geschmack dann nur noch, ganz entfernt, ein Hauch Malz - etwas Elementares, das der Whisky durch jahrelange Reifung im Holzfass bekommt, ist durch die Redestillierung wieder entschwunden. Es ist eben "nur" ein aus Whisky gewonnenes Destillat. Der Geschmack erinnerte alle eher an Obstler, Williams-Christ und/oder Grappa. Würde auch gut als "Kurzer" zu einem Bier passen. Auch der Ausdruck "Neutralsprit" wurde geäußert. Mit etwas Wasser "machte er wieder auf" - kam also wieder in Richtung Whisky. Den fast nicht vorhandenen Abgang empfanden die Meisten dann als scharf, kratzig. Ein Gast hat es (meiner bescheidenen Meinung nach) schön auf den Punkt gebracht: "Ein interessantes Getränk, das in jede gutsortierte Cocktailbar gehört, aber nicht in die Whiskysammlung!" Als zweiter Kandidat kam der Glen Elgin an die Reihe. Von diesem erwartete ich eigentlich nicht sehr viel, da er ja in einem neuen Fass gegereift war. Aber ich wurde angenehm überrascht - und nicht nur ich. Ein ehrlicher Whiskygeruch stieg in die Nasen, mit Malz pur und grasigen Noten. Im Geschmack dann trockene Holznoten und dominantes Malz. Im Hintergrund die fruchtige Süße der Speysider. Zum Schluss ein mittellanger samtig-weicher Abgang - weiches Holz (Eiche?) und Mandeln. In verschiedenen (aufopferungsvollen) Tests wurde schließlich noch festgestellt, dass die 52%ige Edelbitter-Schokolade ausgezeichnet dazu passt - und der Whisky mit Wasser noch gewinnt. Originalzitat: "Ein sehr guter Tropfen!". Allerdings waren nicht alle einer Meinung. Auf einem Verkostungsblatt stand nur eine Notiz - nur bei diesem Whisky: "Klasse Abgang". Aber auf einem anderen Blatt las ich auch: "Kein Abgang" und "Langweilig". Und auf wieder einem anderen Blatt stand "Der Whisky für Leute die keine Extreme mögen". Tja, Geschmäcker unterscheiden sich - es wird also niemanden etwas anderes übrigbleiben als selbst zu probieren! Dann war der Monkey Shoulder an der Reihe - der erste Blend dieses Tastings. Aus meiner Sicht der "Gewinner des Abends". Niemand fand irgendetwas zum aussetzen an diesem "Nachtisch-Whisky". Der "Affentaler" ist "die Affenschulter zum anlehnen". Der Geruch eines Kaminfeuers, Vanille, Honig und Malz strömte aus den Gläsern in die Nasen. Am Gaumen war er fülliger als der Glen Elgin. Früchte, delikate Bourbon-Vanille, Crème brûlée, in Honig gebackene Bananen (die im Chinarestaurant), Malz und Mandeln wurden erkannt. Und ein langer, angenehmer Abgang in dem sich die Aromen nochmal wiederfanden krönte dieses Erlebnis. Auch hier wurde entschieden, dass die 52%ige Schokolade am besten passt - aber auch "nur Brot" war sehr lecker dazu! Mit Wasser lässt er allerdings nach. Nach einer kleinen Pause (zum freien Gedankenaustausch und auch zur Nahrungsaufnahme) ging's weiter: Der Black Bush kam an die Reihe. Ganz anders - aber nicht schlechter. Da waren wir uns einig. Schon im Geruch nichts "schottisches", kein Torf, kein Rauch! Dann am Gaumen, die typische irische Weichheit - butterweich, gefällig. Aromen von Frucht, Sherry, etwas alte Eiche. Der Abgang kommt etwas verspätet, trocken, aber intensiv, aromatisch, schön. Er ist etwas kurz, was aber nicht schadet, da sonst die Harmonie dieses Whiskies vielleicht gestört würde. Nach Zugabe von Wasser empfanden Manche den Abgang als intensiver und länger. Wieder war die 52%ige Schokolade der harmonischste Partner. Als Vorletzter war jetzt der Inishowen dran - der getorfte Ire. Ebenfalls irisch-weich, aber voluminöser. Im Geruch Zitrusfrüchte und Malz. Im Geschmack eigentlich auch rund und malzig - neben Süße etwas Pfeffer und im Hintergrund etwas Torf - aber nicht so "ausgereift" wie die Anderen. Trotzdem immer noch schön zu genießen. Das war nun eine Meinungsrichtung (der auch ich anhänge) - doch es gab auch noch folgende Ansichten (bzw. Notizen auf den Verkostungsblättern): "Torf und weg", "Finger weg" und "Erster Geschmack TOLL - dann jedoch trocken, kurz und weg". Da half dann auch das Versuchsweise wieder eingesetzte Wasser nichts - nur dass die 52%ige Schokolade (trotz allem) passt, waren sich die Geschmäcker wieder einig. Auch der Letzte der Runde - der Black Bottle - teilte die Geister. Während ich ihn als sanfteren, aber eindeutigen Islayer empfand, erkannten Andere schon im Geruch (später dann auch im Geschmack), neben den Islay-typischen maritim-medizinischen Noten auch Lebertrantöne - die nicht jedem behagten. Aber ich war nicht allein - bei den Notizen fand sich auch ein Blatt (nicht meines!) auf dem "toll in der Nase, mild, sanft, trocken" festgehalten war! Am Gaumen gab es ebensolch unterschiedliche Wahrnehmungen - von "Geschmack wie in der Beschreibung", "sehr gut im Geschmack" und "sehr mild, Torf eher moderat" - bis zu "explodiert im Mund", "Die Grains harmonieren nicht mit den Islay Malts, sondern beschneiden sie. Die typischen Islay-Geschmäcker sind also nicht ganz vorhanden. Diese Lücken werden von den Grains nicht geschloßen, so wirkt der Whisky flach" und "Wird wohl nicht mein Lieblingswhisky". Den Abgang empfanden wieder alle als ziemlich (bzw. für Islay untypisch, da viel zu) kurz. 52%ige Schokolade hatte es (schon länger) nicht mehr. Trotz der z.T. erheblich unterschiedlichen Meinungen, kam es zu keinen größeren Ausschreitung beim "Aprés-Tasting". Wir unterhielten uns lieber angeregt und probierten noch den einen oder anderen Whisky der vergangenen Verkostungen. Und natürlich die eine oder andere Zigarre - wie jedesmal: entspannt und gemütlich. Vielen Dank liebe Gäste - ich habe auch dieses Tasting wieder sehr genossen. Und, wie mir aus "für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen" zugetragen wurde, nicht nur ich! |