Tasting "Privat" Februar 2008 Drucken

Sehr zu meiner Freude war ich ...

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im Februar auch noch zu einem privaten Tasting, bei zwei meiner Whiskyfreunde (aus der "schottischen" Abteilung) geladen.

Schon lange war dieser Termin ausgemacht - und ebenso lange haderte ich mit mir, welche Flasche denn ich "opfern" sollte. Natürlich sollte ich eigentlich garnichts mitbringen, da sie mir ja ihre Whiskies vorstellen wollten. Schließlich entschied ich mich dennoch, in letzter Minute, für einen Penderyn "Vatting September 05" - siehe hierzu auch das "Tasting Januar 2008" - da die Abfüllung der waliser Destillerie sehr unterschiedlich ausfallen sollen (von "Phantastisch" bis "Naja"). Und ich war zu neugierig, um hier keinen Selbstversuch zu unternehmen.

Kaum in der gemütlichen Wohnung von Sabine und Gregory angekommen. machten wir (Gregory, Frank, ich) es uns - nach einer kurzen Besichtigung des gut bestückten Whiskyschrankes (u.a. die ersten "Classic Malts" im Original-Barständer) - am Esstisch gemütlich. Wir hatten uns für diesen entschieden, da er uns und den zur Verkostung vorgesehenen Kandidaten doch mehr Platz bot als der Couchtisch. Unverzüglich und konzentriert gingen wir an die "Arbeit".

Zuerst wurde der Penderyn geöffnet, der m.E. in dem vorgesehenen Feld sonst evtl. untergegangen wäre. Ausserdem hatte ich bisher keinen  Erfahrungsbericht dieser Abfüllung gefunden und war ja, bzgl. der schwankenden Qualitäten dieser Destillerie gewarnt worden.

Aber, auch diesmal, keine Enttäuschung - ein wunderbar runder, ausgewogener Whisky erfreute unsere Nasen und Gaumen. Mandeln und Sahnekaramel waren zu entdecken. Voluminös und in keiner Weise irgendwie "schwächer" als die Abfüllung ("Release Date April 07") die wir im Januar probiert hatten.

Danach machten wir uns an eine Dreierreihe Aberlour - es ging los mit dem 12-jährige, der sein ganzes Leben in erstbefüllten Sherryfässern verbracht hatte. Das war schon in der Nase nicht zu "übersehen"! Intensivste Sherrydüfte überfluteten die Riechknospen. Der Sherrygeschmack ist auch am Gaumen noch so präsent, dass er die anderen, durchaus vorhandenen Aromen (Frucht, Pflaume, Nüsse, ...) in diesem Whisky übertönt. Vielleicht wirkt dieser Whisky durch seine "Verdünnung" auf 40%Vol. etwas wässrig, unausgewogen und zu mild?

 Der 10-jährige Aberlour war dagegen in den einzelnen Aromen deutlich ausgeprägter und der Sherry war (zumal im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger) war nur in geringer Ausprägung vorhanden - was bestimmte auch daran liegt, dass dieser Whisky neben Sherryfässern auch Bourbonfässer gesehen hat. In der Nase mit vielfältigen Düften nach Früchten und Gewürzen, wirkt er mit 43%Vol. am Gaumen doch gleich voluminöser als der Vorige. Vanillig, nussig, malzig, würzig, weich - und nur angedeutet Sherry. Langer, sanfter Abgang aber immer noch fruchtig, würzig.

Nun kam der "A'bunadh" dieser Destillerie an die Reihe. Wenn dieser Whisky tatsächlich der "Usprung", das "Original" (das bedeutet der Name scheinbar im Gälischen) ist, dann hat Aberlour von Anfang an etwas Ausgezeichnetes destilliert. Der nicht kühlgefilterte und in Fassstärke abgefüllte Whisky ist eine Freude für alle Sinne. Schon die an kräftiges Kupfer erinnernde Farbe gefiel mir. Die Aromen in der Nase wirken fein abgestimmt - leichter Rauch, sanfter Sherry, etwas süßlich, gut reifes Obst - obwohl auch dieser Whisky ausschließlich in Olorosa Sherry Fässern reift, ist der Sherry nicht dominierend. Am Gaumen merkt man die Fassstärke nicht! Voluminös aber weich und rund füllt er den gesamten Mund - fruchtig, nussig, süß, cremig. Im Abgang dann weich, warm und lang - etwas Rauch vermeinte ich auch noch zu spüren.

Als nächstes wurde ein Tullibardine 1993 Port Wood Finishing geöffnet. Die fruchtig-malzigen Aromen dieser Abfüllung finden sich nicht nur an der Nase, sondern auch am Gaumen. Mir persönlich kam er etwas "aggressiver" als die Aberlours vor - aber diese Meinung wurde von den Anderen nicht geteilt. Bei würzig und trocken und Holz waren wir uns aber einig. Auch dass dieser Whisky etwas, bzw. eine "ganze Menge" Wasser verträgt und noch einen schönen, samtigen, langen Abgang hat.

Danach kam ein Bruichladdich "1991 WMD Yellow Submarine". Die Geschichte die zu dieser Abfüllung führte ist den Meisten wohl bekannt und mir kommt es vor, als würde Bruichladdich mit den "Unmengen" seiner Abfüllungen/Finishings tatsächlich Richtung WMD* tendieren - SPAß!!! Dem Whisky hat es auf jeden Fall nicht geschadet. Südfrüchte, Vanille, Torf, deutlich Malz und Holz - ob es tatsächlich ein Rioja-Fass war kann ich nicht sicher behaupten - in der Nase. Man konnte sich etwas beim "schnüffeln" verweilen. Am Gaumen dann füllig, Aufmerksamkeit heischend, mit süßen Tönen, fruchtig und voll (vielleicht melden sich da doch die roten Trauben?). Aber auch das Malz ist noch deutlich vorhanden und ich meine auch Rauch und Salz. Mit etwas Wasser kommen die Fruchttöne deutlicher durch und man vermeint auch andere, zartere Aromen zu entdecken, aber der Whisky wird dadurch etwas kantiger. Der Abgang war, mit und ohne Wasser, angenehm lang.

Jetz war ein Clynelish an der Reihe  - Mackillops Choice - mit 56,7%vol. Fassstärke. Persönlich erinnere ich mich nur noch (anhand meiner Notizen) an  fruchtig, mit Honignuancen in der Nase, etwas "bissig" - was ja durchaus an der Fassstärke liegen kann, am Gaumen - und dass er sich mit Wasser etwas "öffnet" und mehr von seinen Aromen zeigt. Bitte, es war der 7. Whisky! Daher gebe ich nachstehend die Beschreibung Franks fast 1:1 wieder:

Der Whisky ist hochinteressant. Im Gegensatz zum A'bunadh ist die Fassstärke hier deutlich zu merken. Er schmeckt nach Honig und Holz und hat eine deutliche Ingwerschärfe. Weiter schmeckt man etwas Pflaumen heraus. Mit jedem Tropfen Wasser ändert sich der Geschmack aber, was den Whisky einerseits interessant, aber andererseits schwer zu erfassen macht. Jim Murray findet ihn "besser als Sex" und gibt ihm 95 von 100 Punkten. Frank gab ihm "nur" 88 - was aber sicher auch nicht übel ist!

Auch bei dem nun folgenden Dun Bheagan "Regional Malt Island 8 Jahre" verlasse ich mich in erster Linie auf Franks Sensorik. Nach meinen Erinnerungen (der 8. Whisky!) hatte ich deutlich Jod in der Nase? Am Gaumen aber mild und rund, Honig - ein Schmeichler mit warmen, langen Abgang. Frank stellte fest, dass es sich ja nur um einen Talisker handeln kann - da von Skye. Ein Spitzentropfen, dem man seine Jugend nicht anmerkt, mit samtigem Rauch, der sich über alle Geschmackszellen legt. Deutlicher Tannenhonig und ein dezenter Geschmack von Saft (ACE?). Ein sehr süffiger Whisky und gut geeignet für den geselligen Abend, am Besten wenn es draußen stürmt!

Der 9. und damit vorletzte Kandidat war ein 15-jähriger Laphroaig, die Origianl Destillerie Abfüllung. Auf einen Geruch nach Rauchfleisch folgt ein deutlicher Geschmack von kaltem Schnee und erloschenem Lagerfeuer. Dazu Teer und eine leichte Blumigkeit, die den Whisky geschmeidig abrundet. Im Vergleich zu der 7-jährigen Signatory Abfüllung (siehe auch Tasting Januar 2007 und darauffolgenede "After Tastings") leichter zu trinken - wahrscheinlich durch die längere Ausreifung. Und mit erstaunlich langem, warmen Abgang.

Den Schluß bildete dann ein Blend von White & Mackay, der ganz "ordinäre" (gewöhnlich, gebräuchlich, herkömmlich!) Special, der sich so in der Preislage eines Johnnie Walker Red Label bewegt. Diesem aber deutlich überlegen ist. Ein leichter, frischer Whisky, ohne Ecken und Kanten - was man ja beim Blend auch erwarten darf. Er schmeckte leicht nach Vanille und Zuckerbonbons. Ein Whisky der sich bestimmt auch auf Eis gut macht und sich für gute Cocktails eignet.

Obwohl wir zwischendurch einen sehr leckeren, ausgiebigen Imbiß zu uns genommen haben (danke Sabine), war ich nach diesen 10 Whiskies doch etwas am Rande meiner Leistungsfähigkeit angelangt - die anderen beiden hätten bestimmt noch einiges verkosten können - die sind ja auch noch jung! Leider war es aber schon kurz vor 22 Uhr und die Bahn wartet nicht gerne, so dass wir aufbrechen mussten.

Der Abend war herrlich und ich konnte wieder mal einiges dazulernen - z.B. dass ich mit 10 Whiskies überfordert bin (falls ich mehr als nur daran rieche), dass man Handy und Papiere wieder mit heim nehmen sollte und vor allem, dass es nie aufhört - das dazulernen.

 

* WMD - Weapons of Mass Destruction = Massenvernichtungswaffen