Degustation Februar 2008 Drucken

In illustrer Runde trafen sich im Februar ...

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wieder zahlreiche Weingenießer und Genießerinnen bei mir, auf eine erneute Degustation. Diesesmal sollten einige "Spanier" geprüft werden, die man - aufgrund des gefälligen Preises und nicht etwa einer geringeren Qualität wegen - durchaus als Alltagsweine bezeichnen darf.

Im Einzelnen waren es diese Kandidaten:

Marqués de Alicante - 2005 - Syrah Barrique
Marqués de Alicante - 2005 - Tempranillo Barrique
Marqués de Alicante - 2005 - Merlot Barrique
Albali Arium - 2002 - Crianza
Albali Arium - 2001 - Reserva
und
Albali Arium - 1999 - Granreserva

Die ersteren drei unterschieden sich also in der Rebsorte, waren aber der gleiche Jahrgang und gleich lange im Holzfaß. Die letzteren drei waren alle aus der Tempranillotraube gekeltert, aber unterschiedlich lange in Holzfässern gereift.

Die Weine der Bodegas Bocopa ("Marqués de Alicante") hatte ich in Anbetracht ihrer Jugend dekantiert, die Felix Solis Reihe (Albali Arium) allerdings, auch mangels entsprechender Gefäße, nicht.

Wir begannen mit derm Syrah des Marqués de Alicante. Von der Farbe her kein typischer Syrah (eher "spanisch dunkelrot") erfreute er die Nase gleich mit intensiven Fruchtaromen nach Schwarzen Johannisbeeren und Heidelbeeren. Anklänge von Honig und Honigmelone wurden erkannt, aber auch geröstete Kastanienschalen. Diese Aromen fanden sich dann auch am Gaumen wieder - wenn auch nicht in der selben Intensität. Im angenehmen Abgang wurden dann noch Anklänge nach reifen Pflaumen entdeckt. Ein Wein, von dem man sich vorstellen kann, ihn im Urlaub schon am frühen Abend zu genießen - um einen entspannten Tag zu beenden und einen gemütlichen Abend zu beginnen.

Danach folgte der Tempranillo dieser Reihe. Wunderschön im Glas, mit violetten und purpurnen Reflexen am Rand, zeigte er sich im Geruch ebenfalls mit Schwarzen Johannisbeeren, aber nicht so intensiv wie sein Vorgänger. Milder Pfeffer und "Gras im Morgentau" wurden assoziiert. Am Gaumen machten sich die Tanine sanft bemerkbar und der Geschmack der grünen Körnchen auf den Erdbeeren wurde erkannt. Die meisten empfanden diesen Wein zwar als trocken, fruchtig, weich und lecker, aber vom Charakter her eben etwas schwächer - leichter und "einfacher gestrickt" als der Syrah - "nur" einfach ein "ehrlicher Roter" (der dann auch zum Vesper in der Pause hervorragend harmonierte).

Dann der Merlot - mit einer Fülle von Düften an der Nase: Rote Beeren, Brombeeren, Mirabelle, Kumquat, Holunder. Am Gaumen dann ebenfalls mit intensiver Frucht, trocken, dennoch saftig, süffig. Leder und Pfefferaromen werden erkannt. Vielleicht wirkt der Wein deshalb etwas herber als seine Vorgänger. Man kann sich diesen Wein gut als Begleiter zu "Schweinelendchen in grüner Pfefferrahmsoße" vorstellen, aber auch die (zufällig gerade realisierbare) Kombination mit nicht zu dunkler Schokolade wurde akzeptiert.

Wie immer legten wir hier ein Pause mit etwas Nahrungszufuhr ein, um uns dann mit erfrischten, entspannten Geschmacksknospen an die zweite Hälfte der Prüfung zu machen.

Die vier Brüder der Bodegas Felix Solis füllen (scheinbar) so ziemlich alles ab was man aus Trauben gewinnen kann, in so ziemlich alle Behältnisse und für alle Regionen und Geschmäcker der Welt. Sei es Most, Sangria oder Spitzenwein - Tetrapack, Pet Flasche oder nobles Glas mit Designer-Etikett - ich war gespannt.

Es ging los mit dem 2002er Crianza - leicht, frisch, fruchtig, klare Eiche, Himbeere und Rosmarin waren die ersten Eindrücke (in der Nase). Trocken zwar, aber leicht süßlich am Gaumen, mit Karamellnoten, die sich auch im extrem langen Abgang wiederfanden.  Ein schöner "junger" Wein - scheinbar können die Brüder doch etwas!

Der darauffolgende 2001er Reserva erinnerte einen Kenner meiner bisherigen Spanier sofort an einen Fortius Tempranillo aus Navarro (den ich letztes Jahr im Sortiment hatte). Mit einem "Hammergeruch" nach Blumen, Vanille, Sauerkirsche und Holz - "feuchtes Holz in der Morgensonne" - meldete er sich  kraftvoll in der Nase an. Komplex, reichhaltig fanden sich die Aromen auch am Gaumen präsent wieder, das Barrique stand schön im Vordergrund. Der Abgang überzeugte ebenso. Als passend dazu wurde dunkle, kräftige Schokolade empfohlen und der Wein selbst für den Abend, in Ruhe, nach dem Essen!

Zum Schluß, von vielen (siehe aber noch Nachstehendes!) als Höhepunkt in einem starken Feld empfunden, kam der Gran Reserva 1999, der 24 Monate in Fässern aus amerikanische Eiche reifen durfte. Den Duft empfanden alle als sehr komplex - Vanille, brauner Zucker (Crème Brûlée), Frucht, Mandeln, (Wal)Nüsse! Am Gaumen aber teilten sich dann die Meinungen. Einige empfanden den Geschmack als den eines großen, alt-ehrwürdigen Weines - vielfältig, harmonisch, elegant, wunderbar ausgewogen - während andere an Petroleum dachten und ihn als zu intensiv, holzig, ja sogar scharf titulierten. Aber er wurde auch, trotz oder vielleicht wegen seiner Reife, als der lebendigste der Arium-Reihe bezeichnet und ebenfalls als passender Genuß für den ruhigen Abend, nach der Mahlzeit.

Auf jeden Fall war ich mit dem Abend und der Gästerunde (und hoffentlich diese auch mit mir!) wieder mehr als zufrieden - und auch mit den Weinen und der Zusammenstellung - trotz der z.T. differierenden Meinungen. Es war einfach wieder  nur phantastisch und hat wieder mal gezeigt, dass die Geschmäcker zwar sehr verschieden sein können, aber dass es für jeden Geschmack das Passende, bzw. für "Jedes" den passenden Geschmack, gibt (wie wird das gleich wieder in "richtigem Deutsch" formuliert?). Und dass natürlich selbst probieren immer noch das Beste ist (zumindest auf mein Fachgebiet bezogen)!