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Im neuen Jahr begann die Verkostungsarbeit ...
wieder mit einem Whiskytasting. Und wieder hatten sich, neben meinen schon bewährten "Tastern", einige Neue eingefunden, um mir bei der Erforschung der Whisk(e)ywelten beizustehen. Diesesmal verkosteten wir neben vier Schotten auch einen Waliser und einen Iren. Es war wieder eine so interessante Runde zusammengekommen, dass ich, wie ich eben feststelle, mich mehr an die Anwesenden und die Gespräche/Kommentare, als an die Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel die Reihenfolge der Whiskies, erinnere. Auf jeden Fall kam der Smokehead als Letzter dran und der Pendery war der absolute Favorit - in einem sehr engen Feld! Jetzt zu den einzelnen Kandidaten (allerdings, wie erwähnt, nicht in der Reihenfolge der Verkostung): Redbreast 15 Jahre alt 46%vol. - ein herrlicher Ire! Im Glas bildete er sehr "schöne Frauenschenkel" (...sagen scheinbar die Franzosen, wurde mit erklärt), bzw "Kirchenfenster". In der Nase und am Gaumen wurden komplexe Aromen von Holz (Eiche?), Rauch, Frucht und Blumen festgestellt. Ebenso wurden Pfirsichbowle und ein Hauch Algen entdeckt. Und auch im milden Abgang fanden sich reife Pfirsichnoten wieder. Ein genialer, typisch irischer Whiskey! Dazu wurde die 52%ige Lagenschokolade aus Ecuador bevorzugt. Edition Robert Burns aus der Arran-Destillerie - ein einfacher, klarer Whisky! Der Verdacht kam auf, dass dieser Whisky wohl ziemlich jung abgefüllt worden ist (6 Jahre?), da er noch eine gewisse Schärfe an den Tag legte. Mit Wasser wurde er noch schärfer! In der Nase eher mild und fruchtig, kam er am Gaumen dann doch eher in Richtung "Willams-Christ". Ein feiner, klarer, wenn auch "eckiger" Whiskies, aber gegen die Anderen an diesem Abend hatte er leider keine Chance. Benromach Traditional - torfig aber mild, mit langem Abgang. Von der Farbe an Chardonney erinnernd bildete auch er schöne "Kirchenfenster" im Glas. In der Nase deutlich rauchig, war er am Gaumen überraschend mild und ausgeglichen. Auch dieser Whisky wurde als genial bezeichnet und elegant! Der Abgang wurde als mild, lang und wärmend empfunden. Dazu setzten sich die etwas kräftig-kakaoigen Schokoladen durch (71% Santo Domingo und 85% Ghana). Penderyn "Release Date April 07" - aus der (aktuell) einzigen walisischen Destillerie. Dieser Whisky löste Begeisterung bei allen aus. Lecker fruchtig in der Nase wurden am Gaumen Cognac, Armagnac und Pflaumen entdeckt - aber auch Moschus (Zitat: "Testosteron pur"). Kräftig, prächtig, toll, super - mit feinem, langen Abgang. Diesen Whisky zu beschreiben gelingt nur mit Superlativen. Scheinbar sollen die Abfüllungen dieser Destillerie sehr unterschiedlich ausfallen - also aufgepaßt! Aber am 23. Februar war es mir vergönnt in engerem Kreis nochmals einen Penderyn zu kosten - es war ein "Vatting September 05" und der war genauso köstlich! Glenkinchie 10 Jahre - inzwischen ersetzt durch einen 12jährigen. Gut, dass wir noch den 10jährigen erwischt haben - wer weiß wie der 12jährige sein wird? Von schöner Goldfarbe zeigt er sich in der Nase mit sanften Vanilletönen, leichtem Torf und angedeutetem Rauch. Auf der Zunge fühlten sich einige an Crème brûlée erinnert, und an Honigmet. Im angenehm-langen, warmen Abgang wiederholen sich Torf und Rauch. Mit etwas Wasser kommen die Aromen noch deutlicher heraus. Zum Abschluß des offiziellen Teils wurde der Smokehead geöffnet (das zumindest weiß ich noch). Wie erwartet: Rinde, Humus, Torfmoor, Brackwasser, Krankenhaus, kalter, nasser Rauch! Am romantischsten fand ich die Formulierung: "Geruch wie erster Schulranzen" (der aus echtem Rindsleder - für die die sich noch erinnern). Traditionsgemäß gab es natürlich nach dem dritten Whisky einen kleinen Imbiß und nach Ende der "Arbeit" wieder das gemütliche Beisammensein und Aufarbeiten des Tastings. Da die Runde diesesmal doch schon ziemlich groß war und genauso phantastisch zusammenpasste wie die bisherigen, wurde es denn doch ein bischen später. Aber tags darauf war ja Sonntag, so dass man ausschlafen konnte. Vielen Dank an meine Gäste! |